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Helvetica - Buchvorstellungen

  1. Nimbus Verlag 3038500399
    • Hardback

    Overall Ratings

    Content
    Readability
    Graphics / Illustrations
    Would Recommend
    General Experience
    5.0 1

    Helvetica

    Author:
    Andreas Herzau
    Publisher:
    Nimbus Verlag
    ISBN:
    3038500399
    Buch kaufen
    Information des Verlags:

    Andreas Herzau gehört zu den renommiertesten Fotojournalisten seiner Generation. Bekannt wurde er in den 1990er Jahren durch Reportagen aus den afrikanischen Bürgerkriegsländern und zu Flucht und Migration. In seinen grossen monographischen Arbeiten über Deutschland, New York und Moskau erweitert er die Grenzen der klassischen Reportagefotografie und entwickelte er eine unverkennbare eigenen Bildsprache mit überraschenden kontrastierenden Schnitten. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem European-Press-Award ausgezeichnet.

    Seine neuste Arbeit Helvetica ist eine fotografische Auseinandersetzung mit der Schweiz. Über ein halbes Jahrzehnt hat Andreas Herzau das Land immer wieder besucht und die verschiedensten Orte, Sujets und Menschen festgehalten. Ihm geht es nicht um Reportage-Fotografie im berichtenden Sinn, sondern darum, eigene, oft von Klischees verstellte Vorstellungen mit dem Vorgefundenen abzugleichen. Er zeigt ein Land, das er für seine Errungenschaften schätzt – auch wenn er bald erkennt, daß es sich mit den eigenen Ansprüchen schwer tut. Als eine Nation von großem wirtschaftlichen Wohlstand, gefestigt durch eine lange Tradition liberaler Demokratie und politischer Neutralität, bestehen dennoch starke nationale Abwehrreflexe. Herzau umkreist die Widersprüche des helvetischen Selbstbildes und reflektiert seine eigene Rolle als Fremder. Es sind genau diese Bruchstellen, auf die der Fotograf seinen Blick richtet.

    Ein Auslöser für die Arbeit war René Burris berühmtes Buch «Die Deutschen» aus dem Jahr 1962, das Herzau bei der Vorbereitung zu einem Vortrag über Fotobücher in die Hände fiel. Daraufhin entwickelte er die Idee, den Schweizern einen Gegenbesuch abzustatten.

    Analog zu Burris Werk, in dem deutsche Autoren den Bildern kurze Texte zur Seite stellten, werden dei beiden schweizerisch-internationalen Autoren Nora und Eugen Gomringer in dem Band mit Gedichten vertreten sein.

    Andreas Herzau: Helvetica Fotografien. Mit Gedichten von Eugen und Nora Gomringer
    70 Fotografien, 34 x 22.5 cm, 104 Seiten, Halbleinen, aufgesetzter Deckel
    EUR 38.00 / CHF 42.00, I
    SBN: 978-3-03850-039-1

    Andreas Herzau, geb. 1962, setzt sich als Fotograf, Hochschuldozent und Autor künstlerisch und theoretisch mit Fotografie auseinander. Essayistisch-narrative und analytisch-abstrahierende Elemente werden zu Bildgeschichten verknüpft, die er in Büchern, Ausstellungen und Magazinen veröffentlicht. Sein Werk wurde u.a. mit dem European-Press-Award ausgezeichnet und ist in Sammlungen wie dem Deutschen Historischen Museum und der Stiftung Gundlach vertreten. Neben der künstlerischen Arbeit publiziert er Texte und Essays über Fotografie. Andreas Herzau lebt in Hamburg.

    Eugen Gomringer, geb. 1925, ist bolivianisch-schweizerischer Autor und Begründer der Konkreten Poesie. Er war Max Bills Sekretär an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, gab die Buchreihe «konkrete poesie – poesia concreta» heraus und war u.a. Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf. 1984 er- öffnet er eine Galerie im oberfränkischen Rehau, wo er bis heute lebt.

    Nora Gomringer, geb. 1980, ist Lyrikerin, Rezitatorin und war 2015 Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises. Sie hat mehrere Lyrik- und Essaybände, zahlreiche Kurzgeschichten, Radiostücke, Sprechtexte und (Opern-)Libretti publiziert. Nach mehreren internationalen Poetikdozenturen wurde sie 2018 mit der Poetikprofessur der Universität Klagenfurt für 2018 ausgezeichnet (zusammen mit Philipp Scholz). Nora Gomringer lebt in Bamberg und leitet dort als Direktorin das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia.

Reviews

  1. AnjaC

    AnjaC NF-Club Teammitglied

    Buchvorstellungen:
    248

    Die Schweiz schlaglichtartig erfasst

    Im Frühjahr 2017 bin ich auf Andreas Herzau und seine Bilder aus der und über die Schweiz aufmerksam geworden, denn die FREELENS Galerie in Hamburg stellte damals die Fotografien aus. Vor kurzem fiel mir dann – nein, Zufälle gibt es nicht – auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Nimbus Verlags das Buch “Helvetica” in die Hände, das genau jene Bilder zeigt. Jetzt liegt es zum wiederholten Male vor mir, während ich endlich die Rezension dazu schreibe.

    Schon allein das Anfassen und Durchblättern macht Freude: das Buch hat mit ca. 24 x 34 cm ein ordentlich großes Format und einen sehr stabilen Einband, der mich an Bilderbücher für Kinderhände erinnert. Und genau das ist es ja irgendwie auch: ein Bilderbuch. Eindeutig ist es dazu gedacht, auf einen Tisch oder ein Lesepult gelegt und mit Ruhe angesehen zu werden. Auch die Bindung ist gut gewählt – keine noch so kleine Bildinformation bei einem über eine Doppelseite gehenden Bild geht in der Falz verloren, alles liegt plan. Also: Haptik, Material und Ausführung sind klasse und die 65 Fotografien wirken durch die pure Größe und die stabile Papierwahl allein für sich.

    So ist es auch beabsichtigt, denn bis auf wenige Gedichte von Nora und Eugen Gomringer unterbricht kein weiterer Text die Bilderfolge. Es gibt kein Vorwort, keine Einführung, keine Metadaten, keine Ortsangaben, keine erklärenden Bildunterschriften. Erst ganz am Ende des Buches finde ich Andreas Herzaus Nachwort, in dem er dem Leser auf einer knappen Seite erklärt, wie er die Welt sieht und was für ihn Fotografie bedeutet. Wohlformulierte Sätze, mit denen ich etwas anfangen kann und von denen ich nur einen zitieren möchte:

    “Für mich ist Fotografie weniger das Sehen, sondern das Lesen und Verstehen, wie eine Gesellschaft funktioniert, deren Teil ich bin.”

    Der Inhalt
    Der geneigte Leser dieses Artikels mag sich schon gefragt haben, was denn nun eigentlich drin ist im Buch. Fotografien. Aus der Schweiz. So viel ist klar. Na und? Kennen wir doch alle: die Alpen, die Touristen, ein paar Alphornbläser, Skigebiete, weißes Kreuz auf rotem Grund. Ja, die Motive sind auch da. Aber Andreas Herzau hat hier keine Postkartenmotive fotografiert. Er hat stattdessen ins Bild gebannt, wie er die Schweiz sieht und erlebt. Das macht er mit immer scharfem Blick und gelegentlich herrlichem Humor, z.B. wenn vor der bildfüllenden Schweizer Flagge unten rechts im Eck ein weißes Hinweisschild mit schwarzer Schrift den Weg zum “Eingang für Besucher” anzeigt.

    [​IMG]

    Das 1962 erschienene Buch “Die Deutschen” des großen Schweizer Fotografen René Burri war die Motivation des Bildjournalisten und Hochschuldozenten Herzau, der Schweiz sozusagen einen fotografischen Gegenbesuch abzustatten – mit allen Vorurteilen, Erwartungen, gedanklichen Bildern im Kopf, die wohl die meisten von uns haben (ihr wisst schon: die Alpen, die Skigebiete, ….).

    Andreas Herzau spielt mit diesen Klischees, findet sie manchmal, manchmal aber ganz anderes, und vor allem zeigt er uns, dass die Schweiz und ihre Bewohner darauf nicht reduziert werden können. Landschaften, Menschen (junge Menschen vor allem), Orte, Tätigkeiten, Detailaufnahmen wechseln sich ab. Schlaglichter sind das, Momentaufnahmen. Eine nach der anderen, ohne Kommentar, oftmals stark kontrastierend einander auf zwei Buchseiten gegenübergestellt.

    Man könnte fast beim Betrachten den Auslöser hören:

    Links ein Blick von außen in ein Zugabteil, in dem jemand Martin Suters “Der Koch” liest, das Zugfenster quasi ein Bild im Bild, schöne grafische Kontraste und Farbflächen. KLICK. Rechts zwei sehr kurzhaarige Männer von hinten im schwarzen T-Shirt, auf einem die Aufschrift “Since 1921”, die am Himmel eine Kampfflieger-Formation passieren sehen. KLICK. Umblättern… eine Staffelei mit Landschaftsmalerei (blauer See, weiße Berge, blauer Himmel) steht am Seeufer mit schmutzig-grün-grauem Wasser, links daneben die orangefarbige SOS-Säule, im Hintergrund Graffitti besprühte Betonwände, obendrüber eine Straßenbrücke. KLICK.

    So könnte ich euch jetzt jedes einzelne Bild beschreiben, aber das würde euch den Genuss des Betrachtens nicht ersetzen. Nicht allein das, was im Bild zu sehen ist, macht den Reiz aus, sondern das, was dabei in unseren Köpfen abgeht: was wir auf den ersten Blick sehen, was erst auf den zweiten – oder vielleicht gar nicht. Was wir (wiederer-)kennen von der Schweiz (die Touristenmotive, die Neutralität, die Wehrhaftigkeit, die Tradition) und was uns erst oder dauerhaft fremd ist. Manche Bilder, so denke ich, könnten auch in anderen Ländern aufgenommen worden sein – und warum auch nicht? Es muss ja nicht alles anders sein bei unseren Nachbarn als bei uns. Auch in Deutschland deckt so mancher sein Auto mit einer “Textilgarage” ab ;-). Bei ganz wenigen Bildern fehlt mir das Hintergrundwissen, ich weiß nicht, was das ist. Da müsste man mal in die Schweiz fahren und es herausfinden…

    Mich jedenfalls faszinieren die Bilder. Ich überlege wie damals im Deutschunterricht “was will uns der Autor damit sagen?”, denke aber weiter: “und was sagt es mir?”

    Für wen ist dieses Buch geeignet
    Für Schweizer, die wissen wollen, wie ein Fremder sie und ihr Land sieht.
    Für Nicht-Schweizer, die ihre Vorstellungen und Eindrücke von der Schweiz überprüfen wollen.
    Für alle, die die Schweiz und die Schweizer mögen und beide mit offenen Augen betrachten.
    Für Fans von ungewöhnlich gutem Bildjournalismus.

    Fazit
    Wer sich auf die Schweiz und auf einen Bildband ohne Bildkommentare einlassen möchte, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Ganz großes Kino, das sicher nicht im Regal verstaubt. Alle 5 Sterne.

    Die Daten
    Andreas Herzau. Helvetica. mit gedichten von eugen und nora gomringer erschien am 11. September 2017 im Nimbus Verlag. 96 Seiten, 65 Fotografien, gebunden, 23,8 x 2 x 34 cm.
    ISBN: 978-3-03850-039-1
    Preis: EUR 38,00 | CHF 42,00

    Hier gibt es den Buchtrailer als Video:
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