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Das Polaroid-Projekt: Die Eroberung durch die Kunst - Buchvorstellungen

  1. Hirmer Verlag 3777428736
    • Hardback

    Overall Ratings

    Content
    Readability
    Graphics / Illustrations
    Would Recommend
    General Experience
    5.0 1

    Das Polaroid-Projekt: Die Eroberung durch die Kunst

    Author:
    William A. Ewing, Barbara P. Hitchcock, Deborah G. Douglas et.al.
    Publisher:
    Hirmer Verlag
    ISBN:
    3777428736
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    Information des Verlags:

    Polaroid ist magisch. Innerhalb von Minuten und wie von Zauberhand erscheint das gerade gemachte Foto. Wie Künstler sich diese Technik aneigneten, wie sie mit ihr experimentierten und neue Wege der Gestaltung entdeckten, zeigt der attraktiv bebilderte Band anhand von über 300 Werken international renommierter Künstler aus der einzigartigen Polaroid Collection.

    BESCHREIBUNG
    Edwin Land wurde 1943 von seiner kleinen Tochter gefragt, warum sie ein eben aufgenommenes Foto nicht sofort sehen könne. Eine Stunde später hatte der amerikanische Forscher und Erfinder die technischen Grundlagen entwickelt, um diesen scheinbar unmöglichen Wunsch zu realisieren. Damit begann die Geschichte der Polaroid-Sofortbildfotografie. Bald erkannten auch viele Künstler die neuen aufregenden Möglichkeiten: Etwa wenn Hockney ein Stillleben-Mosaik aus einzelnen Fotos schuf, Charles Eames geometrische Muster festhielt, Dennis Hopper Farbstudien in LA betrieb, Robert Mapplethorpe Akt-Selbstporträts machte. Tausende Polaroidfotografien aus den Händen von Künstlern prägten die Kunstwelt im späten 20. Jahrhundert.

    Mit Werken von Ansel Adams, Nobuyoshi Araki, Sybille Bergemann, Brigid Berlin, Anne und Bernhard Blume, Chuck Close, Walker Evans, Federico Fellini, Arno Fischer, Gisèle Freund, Gottfried Helnwein, David Hockney, Dennis Hopper, André Kertesz, Robert Mapplethorpe, Robert Rauschenberg, Gus Van Sant, Andy Warhol.

    Ausstellungen
    Fort Worth | Amon Carter Museum of American Art
    03.06.2017 - 03.09.2017
    » zur Veranstaltung
    Wien | WestLicht. Schauplatz für Fotografie
    05.12.2017 - 04.03.2018
    » zur Veranstaltung
    Hamburg | Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
    16.03.2018 - 17.06.2018
    » zur Veranstaltung
    Berlin | C/O Berlin Foundation. Amerika Haus
    07.07.2018 - 23.09.2018
    » zur Veranstaltung

Reviews

  1. AnjaC

    AnjaC NF-Club Teammitglied

    Buchvorstellungen:
    248

    Klare Empfehlung, mit allen Risiken und Nebenwirkungen

    Zahlreiche Köpfe und Hände zeichnen für die Entstehung dieses Buches verantwortlich. Das Buch entstand begleitend zur internationalen Wanderausstellung „The Polaroid Project: At the Intersection of Art and Technology“. Ein Titel, der dem Projekt und allen begleitenden Medien um Längen besser gerecht wird als der in gleichem Maße bemüht und sinnfrei klingende deutsche Untertitel „Die Eroberung durch die Kunst“.

    Dessen ungeachtet konnte eine offensichtlich hochkarätige und engagierte Gruppe von Ausstellungs- und Verlagsverantwortlichen für das Projekt gewonnen werden. Das Buch ist schlicht und ergreifend herausragend. Sollte es Konzeption und Inhalte der Ausstellung auch nur einigermaßen adäquat widerspiegeln – wovon ausgegangen werden kann-, so kann nur jedem, der die Gelegenheit hat, dringend empfohlen werden, sich die Ausstellung anzusehen.

    Das Buch
    [​IMG]
    Dennis Hopper. Los Angeles, Back Alley, 1987. 4.2 x 3.5“ (10,7 x 8,8 cm). Polaroid SX-70 film © Dennis Hopper, Courtesy of The Hopper Art Trust
    „Das Polaroid Projekt“ kommt im großen Format daher. Etwas niedriger und dafür breiter als A4-Format und rund drei Zentimeter stark, liegt das im Hardcover gebundene Buch im Schutzumschlag schwer und präsent auf dem Coffee table.

    Den Umschlag zieren großformatige Polaroid-Fotos von Brigid Berlin und Ellen Carey, Künstler, die auch im Buch (und in der Ausstellung) ihren Platz bekommen. Farbige Elemente im typischen Polaroid-Regenbogen-Stil ergänzen die Fotos und transportieren den Betrachter schon beim Griff nach dem Buch in eine andere Zeit.

    Gedruckt auf 157g matt gestrichenem Papier, finden die einzelnen Motive und Texte viel Raum, um ihre Wirkung zu entfalten. Zwei ausführliche Kapitel zur Kameratechnik sind durch einen hellgrauen Font von den Bildseiten abgesetzt.

    Die Fotos sind brilliant und scharf abgedruckt. Zumeist werden die kompletten Polaroids mit ihren charakteristischen Rahmen abgebildet und wirken so echt als hätte man ein Album vor sich, aus dem man sie jederzeit entnehmen könnte. Einzig bei den wenigen Fotostrecken, die über den Mittelfalz laufen, muss man mit dem typischen Verschwinden von Bildteilen in der Bindung der Seiten leben.

    Anmerkungen, Werkverzeichnis, Kommentare einzelner Künstler zu ihren Bildern sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis jedes einzelnen Bildes runden das Buch am Ende ab.

    Der Inhalt
    Das Buch gliedert sich in folgende Text (T)- und Bild (B)-Kapitel:
    1. (T) Vorwort
    2. (T) Einleitung
    3. (B) Werke, Objekte, Essays
    4. (TB) Eine Welt im Spiel
    5. (T) Persönliche Erinnerungen an die Geschichte der Polaroid Collection
    6. (TB) Polaroid: Geschichte einer Technik I
    7. (TB) Kapsel und Rolle: Die technische Kunstfertigkeit eines neuen Mediums
    8. (TB) Polaroid jenseits der Mauern (Polaroid in der DDR)
    9. (TB) Polaroid: Geschichte einer Technik II
    10. (TB) Das Jahr Null der Fotografie: Am Kreuzungspunkt von Kunst und Technik
    11. (T) Die Langlebigkeit von Polaroid
    12. (TB) Geknipst, gemocht, geteilt: Polaroidfotos als analoges soziales Netzwerk
    13. (TB) Bevor es Instagram gab, gab es Warhol: Zu Selbstinszenierungen im Sofortbild
    14. (TB) SX-70: Polaroid mit den Augen von Charles und Ray Eames
    [​IMG]
    Guy Bourdin (1928-1991). Charles Jourdan, 1978. 35 x 46“ (88.9 x 116.8 cm). C-Print on Fujiflex paper © The Guy Bourdin Estate 2017 / Courtesy of Louise Alexander Gallery
    Das Polaroid Projekt hat alles an Bord, was für eine kompletten Zeitreise erforderlich ist:
    • Bildmaterial quer durch die Epochen
    • Hintergrundinformationen zur Entstehung der Sofortbildfotografie
    • Technik-Infos zu Kameratypen und technischen Details
    • Basiswissen, Zitate und Anekdoten zu Polaroid-Gründer und Erfinder Edwin Land
    • Einen Zeitstrahl der wichtigsten Ereignisse rund um die Firma Polaroid
    [​IMG]
    S.B. Walker (b. 1987). Blacked Out Polaroid Sign, Corporate Headquarters, Waltham MA. 2011. 20 x 80“ (50.8 x 203.2 cm). Digital print from Polaroid Positive/Negative 4×5 film Type 55 © S.B. Walker
    Das Projekt macht sich dabei den Umstand zu Nutze, das Edwin Land bei der Vermarktung seiner Erfindung aktiv auf die damals führenden Künstler zuging und ihr Expertenwissen für sich zu nutzen verstand. Ansel Adams, Robert Mapplethorpe oder Gottfried Helnwein waren Polaroid-Fans der ersten Stunde. David Hockney nutzte das neue Medium für seine Arbeit und Andy Warhol legte die Polaroid Big Shot von 1971 kaum mehr aus der Hand, um damit Close-Ups zu fotografieren und seinen Bewunderern in der Factory ihre Fifteen Minutes Fame zu gewähren.

    Zahlreiche weitere Künstler kamen über die Jahre hinzu und bis heute hat das Medium Sofortbild seinen Platz im Kunstbetrieb. Dabei wird sowohl die Eigenschaft der unmittelbaren Verfügbarkeit der Fotografien genutzt als auch die Möglichkeiten, in den Entstehungsprozess einzugreifen und zum Beispiel durch Veränderungen im Ablauf oder durch mutwilliges Außerkraftsetzen der Kameramechanik besondere Effekte zu erzielen.

    [​IMG]
    Kunihiro Shinohara (b. 1948). Cosmic #9, 1993-2000. 15.55 x 13“ (38.1 x 33 cm). Inkjet print from Polaroid Positive/Negative 4×5 film Type 55 © Kunihiro Shinohara
    Wer sich die Bilder im Buch ansieht, wird schnell feststellen, dass Polaroid nicht gleich Polaroid ist. Die Bandbreite ist groß. Vom hoch auflösenden 20×24 Inch-Großformat bis zur heute wiederentdeckten 1,5×1 Inch-Spaßknipse reicht das Spektrum.

    Bei jeder zweiten Aufnahme ertappt man sich dabei, über ihre Entstehung nachzudenken. Hierbei sind Werkverzeichnis und Künstlerkommentare im Anhang mitunter eine große Hilfe. Dort wird dann beispielsweise erklärt, dass die Nahaufnahme des Mondes, die man beim besten Willen nicht mit einer Sofortbildkamera in Verbindung bringen konnte, tatsächlich auch keine ist. Das abgebildete Foto ist das Sofortbild von einem Mondfoto, das der Künstler im Licht des Vollmondes abgelichtet hat.

    Es sind tatsächlich einige abgedrehte Abbildungen im Buch zu finden, die in ihrer Gesamtheit wiederum alle denkbaren Sparten der Fotografie abdecken. Landschaft, Menschen, Akt, Objekte, Street, Makro…. alles ist vertreten und macht durch die scheinbar unstrukturierte Anordnung das Blättern und Stöbern im Buch zu einem Genuss.

    Der Technik-Teil ist im Grunde ein Buch für sich. Edwin Lands Erfindung, das Herantasten an immer perfektere Apparate, die Revolution, die hinter allem steckt, der große Erfolg der Firma Polaroid und schließlich ihr Niedergang mit Aufkommen der digitalen Medien sind spannend, informativ und durch die zahlreichen Bilder unterhaltsam zu lesen.

    Besonderen Charme hat die Entstehungsgeschichte der Sofortbildtechnik (von Edwin Land stets als One-Step-Photography bezeichnet). Es wird erzählt, dass Lands kleine Tochter ihn ungeduldig danach fragte, warum das gemachte Foto nicht gleich zu sehen war. Diese Frage setzte einen Denkprozess bei Land in Gang, der drei Jahre später in der ersten Polaroid-Kamera gipfelte. Schon seltsam, dass in heutiger Zeit wohl kein Kind mehr diese Frage stellen würde. Fotos sind inzwischen standardmäßig sofort verfügbar, wenn auch auf völlig andere Art und Weise als damals.

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    Barbara Crane (b. 1928). Private Views, 1981. 4 x 5“ (10,2 x 12,7 cm). Polacolor 4×5 film Type 58 © Barbara Crane
    Interessant ist auch das Kapitel zum Sofortbild als erstem analogen Social Media Content. Man konnte plötzlich Bilder sofort gemeinsam betrachten, weitergeben, mit anderen teilen – ein offenbar schon immer vorhandenes Bedürfnis der Menschen.

    Für wen ist dieses Buch geeignet?
    Zunächst einmal für jeden, der sich mit Fotografie beschäftigt und etwas über Sofortbild lernen möchte. Dann natürlich für Liebhaber von Fotokunst. Außerdem für Technik-Freaks, die Gefallen an fotografischen Steam-Punk-Maschinen haben. Für Fans außergewöhnlicher Biografien. Für aktive Fotografen – gleichgültig ob zum Vergnügen oder professionell -, die sich Anregungen für Motive und visuelle Techniken holen möchten. Schließlich für Freunde sehr gut gemachter Coffee table Bücher, die gute Arbeit zu schätzen wissen.

    Fazit
    Ein wunderbares Schmökerbuch, ein hochinteressanter Einblick in eine spezielle Kunstszene, ein Technik-Atlas für Polaroid-Kameras – kurz: wer sich Das Polaroid Projekt zulegt sollte sich nicht darüber wundern, wenn er während der Lektüre ein unbestimmtes Verlangen nach dem Erwerb einer Sofortbildkamera entwickelt. Das Buch ist eine klare Empfehlung, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. 5 Sterne.

    Die Daten
    Das Polaroid-Projekt erschien am 1. Juni 2017 im Hirmer Verlag. Mit Beiträgen von W. A. Ewing, B. P. Hitchcock, D. G. Douglas, G. Van Zante, R. Reuter, Ch. Bonanos, T. Brandow, P. Buse, D. Jelonnek, J. Rohrbach. 288 Seiten, 318 Abbildungen in Farbe, 23 x 27,5 cm, Leinen, Schutzumschlag
    ISBN: 978-3-7774-2873-4
    Preis: 49,90 € [D] | 51,30 € [A] | 60,90 SFR [CH]

    Rezension: Gerhard Reininger
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