Color Grading - Es ist alles nur geklaut

Pattebaer

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Einführung:

Um einem Bild einen besonderen Look zu geben kann man auf das sogenannte „Color-Grading“ oder zu gut Deutsch auf eine „Verlaufsumsetzung“ zurück greifen. Zunächst folgt eine kurze Erklärung was eine Verlaufsumsetzung in Photoshop bewirkt und wie man sie verwendet.

Interessant wird dann das Arbeiten mit einer Verlaufsumsetzung, wenn man einen bestimmten Look erzeugen will bzw. eine bestimmte Tonung aus einem anderen Bild „klauen“ möchte. Dabei ist die Herkunft des Bildes, aus dem man die Tonung übernehmen möchte vollkommen egal. Auch die Auflösung ist nicht von besonderem Interesse. Man kann sich also ein beliebiges Bild aus dem Internet auf den Rechner laden.
 

Pattebaer

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Grundlage:

Hat man sein Bild in Photoshop soweit fertig bearbeitet, eine Retusche durchgeführt, diverse sonstige Einstellungen vorgenommen erfolgt als letzter Schritt dem Bild einen besonderen Schliff bzw. einen besonderen Look zu verpassen. Dazu findet man in Photoshop bei den Einstellebenen quasi ganz unten (bei mir ist es die vorletzte Zeile) die "Verlaufsumsetzung" als Einstellebene. Wählt man diese aus, so wird als oberste Ebene die Verlaufsumsetzung als Einstellebene eingefügt und erscheint folgendes Fensterchen auf dem Bildschirm.

Verlauf-01.png


Die Verlaufsumsetzung verändert die Farben je nach Helligkeitsbereich (Luminanzen). Voreingestellt sind i.d.R. zwei Luminanzen nämlich die dunkelsten Bereiche (Schwarz) ganz links, der linear zu den hellsten Luminanzen (Weiß) übergeht. Je nach Voreinstellung oder je nachdem was man als letztes mit einer Verlaufsumsetzung bearbeitet hat kann dieses Fensterchen etwas anders aussehen. Klickt man an dem Balken rechts auf den Pfeil, so klappen diverse Vorgaben (Standard in Photoshop) auf und man kann diese seinem Bild zuweisen. Sofort ändert sich die Tonung im Bild und man kann mit der Deckkraft der Ebene noch die Intensität seiner gewählten Tonung steuern.

Hat man eine gewisse Tonung ausgewählt, so loht sich noch ein kurzer Klick mit der Maus genau auf den Farbbalken und es öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem man den Verlauf bearbeiten kann.

Verlauf-02.png


Die kleinen Quadrate unterhalb des Farbbalkens stellen die Stützpunkte der Verlaufsumsetzung dar, zwischen denen quasi linear interpoliert wird. Im obigen Beispiel sind 6 Stützpunkte definiert. Die beiden Quadrate oberhalb des Farbbalkens können wir im Moment ignorieren, sie grenzen nur den Luminanzbereich ein also ab wann ist Dunkel gleich Schwarz und Hell gleich Weiß. Diese lassen wir erst mal unberührt damit ist die Verlaufsumsetzung für den gesamten Luminanzbereich im Bild definiert.

Klickt man wiederum auf eines der kleinen Quadrate, so erweitert sich das Einstellfenster und man sieht unten links die Farbe und rechts daneben die Luminanz (in %) für die dieser Wert gilt. Durch klick auf die Farbe läßt sich eine andere Farbe einstellen, durch verändern der Prozentzahl kann man die betreffende Luminanz verändern, für welche die gewählte Farbe gilt also in Richtung heller oder dunkler..

Verlauf-03.png


Man kann quasi beliebig viele Stützstellen erzeugen, indem man einfach unterhalb des Farbbalkens zwischen zwei Stützpunkte klickt. Dabei wird eine neue Stützstelle erzeugt. Man wählt hierfür eine Farbe und trägt die Luminanz als Zahl zwischen 0 und 100 ein, für die diese Farbe gelten soll. Dabei ist es auch völlig egal, wo man unterhalb auf den Farbbalken klickt. Durch verändern der %-Zahl verschiebt es diesen Punkt automatisch an die betreffende Stelle. Man kann auch das kleine Quadrat mit der linken Maustaste anklicken, die Maustaste gedrückt halten und das Quadrat einfach verschieben. Will man die Stützstelle löschen, so klickt man sie einfach mit der linken Maustaste an und zieht es aus der horizontalen Aufreihung.

Wer seine eigenen Tonungen erstellen will, der kann damit schon loslegen. Wichtig ist nur für das folgende Vorgehen, dass man sich das Prozedere merken muss wie man Verlaufsumsetzungen verändern kann. Das werden wir später dann brauchen.
 
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Pattebaer

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Vorarbeiten:

Um nun die Tonung aus einem anderen Bild zu übernehmen muss man zunächst das Bild in Photoshop laden. Ich denke mal, dass ich mir das Prozedere dazu sparen kann.

Nun kommt ein kleiner Trick, mit dem man die wichtigsten Farben aus dem Bild extrahiert. Das geht am schnellsten indem man unter

  • Datei -> Exportieren-> "Für das Web speichern" auswählt. Es erschein ein kleines, neues Fensterchen mit Einstellmöglichkeiten.

Bei „Farben“ trägt man entweder eine 3 oder eine 5 ein, je nachdem wieviele Abschnitte man in der Verlaufsumsetzung definieren möchte.

Anschließend klickt man auf das kleine Symbol neben der Farbtabelle. Nun speichert man diese Farbtabelle (ganz unten im Menü) auf seiner Festplatte ab. Man gibt der Farbtabelle einen beliebigen Namen und merkt sich natürlich in welchem Unterverzeichnis man diese Farbtabelle abgespeichert hat.

Verlauf-05.png


Das war’s auch schon. Das Bild selbst muss man nicht abspeichern. Damit ist der eigentliche „Diebstahl" auch schon wieder beendet. Man hat sich aus der Tonung des Bildes die wichtigsten Farben als Farbtabelle extrahiert.
 
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Pattebaer

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Übertragen der Tonung:

Im vorigen Abschnitt haben wir eine Farbtabelle aus einem beliebigen Bild extrahiert und auf der Festplatte abgespeichert. Nun widmen wir uns der Aufgabe, diese Farbtabelle unserer Verlaufsumsetzung zu zuweisen. Als erstes laden wir natürlich das Bild in Photoshop, dem wir den Look zuweisen wollen.

Als zweites müssen wir die Farbtabelle wieder laden, die wir eben abgespeichert haben. Dazu klicken wir oben im Menü auf „Fenster“ und wählen dort „Farbfelder“. Wieder geht ein kleines Fensterchen auf, in dem die Farbpalette gezeigt wird. Dort klicken wir auf das kleine Symbol rechts oben (siehe Pfeil) und wählen aus dem Menü „Farbfelder ersetzen“. Nun navigieren wir auf der Festplatte in das Verzeichnis, in dem wir unsere Farbpalette abgespeichert haben und wählen diese Farbpalette aus. Mit einem Klick auf „OK“ wird diese geladen und es werden nur die gewählten Farben angezeigt.

Verlauf-06.png


Übrigens: keine Panik auf der Titanic, die Farbpalette ist schnell wieder in den Ursprungszustand umgestellt, indem man wieder auf das Symbol klickt und dann „Farbfelder zurücksetzen“ wählt. Dies nur als kurzer Hinweis, aber im Moment benötigen wir ja die neu geladene Farbtabelle.Diese sieht in meinem Beispiel so aus:

Verlauf-07.png


Das Fensterchen mit der Fabrtabelle bleibt geöffnet und falls wir in dem Bild noch keine Verlaufsumsetzung erzeugt habe, so wird es höchste Zeit dies jetzt zu tun. Wir öffnen die Verlaufsumsetzung mit einem Doppelklick (siehe auch den zweiten Thread), klicken auf den Farbbalken um diesen zu bearbeiten. Klicken auf eines der bereits vorhandenen Quadrate unter dem Farbbalken. Nun klicken wir auf das Farbfeld unten links und der Mauszeiger wandelt sich zum Pipetten-Werkzeug. Mit dieser Pipette klicken wir in der Farbtabelle auf eine beliebige Farbe (ich starte immer ganz links, da wir den Vorgang nun solange wiederholen müssen bis alle Farben verarbeitet sind). Aber Achtung nicht ganz so schnell !!!!! Sobald man mit der Pipette auf eine der Farben geklickt hat ändert sich auch schon das Bild. Bevor wir aber auf „OK“ drücken, müssen wir uns den Wert der Helligkeit (Brightness = B) merken. Diesen Wert tragen wir nun rechts neben dem Farbfeld der Verlaufsumsetzung ein.

Bildschirmfoto 2019-08-11 um 15.53.14.png


Diesen Vorgang wiederholt man für alle Farben, die man in der Farbpalette vorfindet. Also entweder 3 mal oder wie in meinem Beispiel 5 mal. Man verarbeitet zunächst die vorhandenen Quadrate und wenn man neue braucht, einfach in die Leiste klicken (siehe Thread 2). Sind zu viele Quadrate da, einfach diese löschen (siehe Thread 2)

Wir sind schon fast fertig. Hat man den Vorgang für alle Farben durchgeführt, dann sieht das Bild erst mal ganz lustig aus, denn der Ebenenmodus steht ja auf „Normal“. Den Ebenenmodus wechseln man standardmäßig auf „Weiches Licht“. Danach kann man z.B. mit „Ineinander Kopieren“ oder mit „Farben“ oder mit „Hartes Licht“ ein wenig experimentieren. Mit der Deckkraft läßt sich auch einiges regulieren.

Über die Gradationskurven läßt sich der Look noch korrigieren oder auch verstärken. Das bleibt jedem selbst überlassen wie weit er dies treiben möchte. Gefällt das Bild überhaupt nicht ist das auch kein Problem, man kann die Verlaufsumsetzung einfach wieder löschen, denn wir haben zerstörungsfrei gearbeitet.

So, das war jetzt viel Text. Es dauert länger den Text zu lesen und es beim ersten mal aus zu probieren. Wer es drauf hat ist in einer Minute fertig die Tonung eines Bildes auf das andere zu übertragen. Lesen und ausprobieren, Knöpfe, Menüs suchen dauert erst mal länger und es klingt verwirrender als es tatsächlich ist.

Viel Spass beim Klauen
 
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Pattebaer

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So, und zu guter Letzt noch mein Beispiel.

Dies ist das Bild, aus dem ich die Farbpalette "geklaut habe". Es ist von mir selbst, also keine Copyright-Verletzung. Ich habe es gewählt, weil es eine sehr extreme Tonung besitzt.

Verlauf-04.jpg


Danach habe ich ein Bild gewählt, das ich dieses Frühjahr mal aufgenommen hatte. Hier nach der Bearbeitung mit Lightroom und Photoshop.

Echse urspünglich.jpg


Auf dieses Bild habe ich nach dem obigen Prinzip die Tonung aus dem ersten Bild übertragen. Der Ebenmodus hat mir mit "Hartem Licht" am besten gefallen. Die Deckkraft blieb bei 100%.

Echse Hartes Licht.jpg


Man muss jetzt kein Freund dieser Art Tonung bei diesem Bild sein, aber es soll ja nur zeigen, wie man vorgeht, was dabei heraus kommt. Wenn man an der Deckkraft dreht, dann wird die Tonung auch nicht so extrem.

Also noch mal. Viel Spass beim Tönen.
 
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