Drei Tage Main und Mittelrhein

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Nachdem Volker (waldgott) dieses Jahr Corona-bedingt unserem Treffen in Berlin fern bleiben musste, wollten wir in 2020 wenigstens noch ein Zusammensein erzeugen. Das Angebot, den Rhein und das Drumherum zu sehen, war sehr verlockend und ein Termin schnell gefunden. Die Anfahrt war problemlos und als es dann so langsam "hügelig" wurde, musste ich doch mal anhalten, als die Sonne durch den Nebel brach und auf den Raureif schien.

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Nach der Ankunft und einem sehr leckeren Mittagessen ging es zu unserer ersten Station, dem Nordfriedhof in Wiesbaden.

Tag 1

Wie schon im Berlin-Thread beschrieben, reizen mich Friedhöfe immer wieder. Zumindest wenn sie so liebevoll und fachkundig gepflegt werden. Es sind Orte der Erinnerung und der Ruhe, geradezu friedvolle Ausflüchte aus der sie umgebenden, hektischen Welt.

Der Friedhof wurde 1877 eingeweiht und bietet einen alten Teil voller kunstvoller Grabstätten um 1900...
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waldgott

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Im Nordfriedhof in Wiesbaden hatte ich schon mehrfach fotografiert und - glaube ich - einige Fotos von den früheren Touren auch bei anderen Gelegenheiten schon mal gezeigt. Bei jedem Rundgang dort gibt es neue Perspektiven und eine andere Sicht auf die Dinge.

Drei ausgewählte Bilder, etwas anders bearbeitet. Ohne uns Abzusprechen war mir klar, dass unsere Foto-Tour stark Schwarz-Weiß geprägt sein würde.

#1 - Die Zeit ist abgelaufen

VG_850_8283_28-11-2020_on1_landscape.jpg


#2 - Engelsgleich

VG_850_8280_28-11-2020_on1_landscape.jpg


#3 - Kind

VG_850_8304_28-11-2020_on1_portrait.jpg
 
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Am Nachmittag ging es dann nach Idstein, einer kleinen Stadt im Taunus. Für mich sind solche Mittelalterstädte ein Erlebnis mit ihren vielen Fachwerkbauten und Resten der Stadtmauer. Wir begannen mit der Unionskirche, die Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Von außen eher schlicht, überrascht sie im Innenraum mit unzähligen Gemälden an Decke und Wänden.

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Als wir die Kirche von außen betrachteten, fiel mein Blick nach oben. Ein Anflug von Art Deco im 14. Jahrhundert? Kann eigentlich nicht sein.

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Weiter ging es durch die Straßen und Gassen von Idstein. Im Kern hat man öfter das Gefühl, im Mittelalter zu sein. Vor hunderten Jahren hatten Menschen schon einen ähnlichen Blick, wenn sie um die Ecke bogen.

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Sogar die Markierungen auf den Balken sind noch da. Wenn ich mich recht erinnere, gab es diese früher für die Zimmerleute als Orientierung, welcher Balken wohin gehört. Ikea als Haus eben :)

Langsam wurde es dunkel und die Lichter gingen an. Durch die sparsame Beleuchtung und den Verzicht auf unpassende Straßenlaternen wird das Flair noch einmal verstärkt. Da könnte doch jederzeit ein Nachtwächter in langer Kutte um die Ecke kommen...

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Nachdem wir noch ein wenig die Dämmerung für Bilder genutzt hatten, verließen wir die Altstadt, wie es sich gehört, durch das Stadttor.

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Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Aus Idstein habe ich ein paar alte Bilder mitgebracht. Das Pferdefuhrwerk ist gerade um die Ecke verschwunden.

VG_850_8371_28-11-2020_on1_landscape.jpg

Die Straßen sind leer, der einzige Laden geschlossen.

VG_850_8398_28-11-2020_on1_landscape.jpg

Das Torbogengebäude mit dem Nassauischen Löwen

VG_850_8408_28-11-2020_on1_landscape.jpg
 
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waldgott

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Vor dem Rathaus: Der König-Adolf-Platz mit dem Killingerhaus mitten in einem prächtigen Fachwerkensemble.

VG_850_8409_28-11-2020_on1_landscape.jpg

Blick vom Zuckerberg in eine der Altstadtgassen

VG_850_8431_28-11-2020_on1_landscape.jpg
 
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Tag 2

Am zweiten Tag ging es früh zum Niederwalddenkmal. Es erinnert an die Einigung Deutschlands im Jahr 1871. Wir waren völlig alleine, es mag an Corona und der Kälte gelegen haben. Gut für uns, so hatten wir ungestörte Zeit, um Bilder zu machen.

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Es ist ein martialischer Monumentalbau, der 1883 eingeweiht wurde.

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Kleine Geschichte am Rande: Bei der Einweihung hielt Kaiser Wilhelm I eine sicherlich großartige Rede. Eine Geschützbedienung feuerte durch ein Missverständnis Salut, während der Kaiser noch sprach. Sofort antworteten die Rheinschiffe ihrerseits absprachegemäß mit Salut. Der letzte Teil der Rede ging also im Geballer unter :)

Da das Denkmal auf einem Berg liegt, gibt es einen wunderbaren Blick auf die Gegend und den Rhein.

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Nur ein paar Schritte entfernt befindet sich der Niederwaldtempel, der 1788 als Teil der Parkanlage errichtet wurde. Auch hier völlige Leere.

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Ehrlich gesagt war ich froh, wieder im warmen Auto zu sitzen. Die Kälte und der Wind dort oben sind nicht zu unterschätzen.

Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Das Niederwalddenkmal - Die Wacht am Rhein

Die Wacht am Rhein ist ein patriotisches Lied, welches im Deutschen Kaiserreich ab 1871 neben "Heil dir im Siegerkranz" die Funktion einer inoffiziellen Nationalhymne hatte. Der Text wurde 1840 während der Rheinkrise von Max Schneckenburger verfasst. Erst mit der im März 1854 von Carl Wilhelm komponierten Vertonung und prominenten Aufführung bei der Silberhochzeit des späteren Kaisers Wilhelm I. gewann es an Popularität, die sich 1870/71 noch steigerte.

Die Liedstrophen sind im Niederwalddenkmal eingraviert.

VG_850_8453_29-11-2020_on1_landscape.jpg

Es braust ein Ruf wie Donnerhall
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein
Wer will des Stromes Hüter sein?

VG_850_8455_29-11-2020_on1_landscape.jpg

Durch hunderttausend zuckt es schnell
Und aller Augen blitzen hell
Der deutsche Jüngling, fromm und stark
Beschirmt die heil'ge Landesmark

VG_850_8468_29-11-2020_on1_landscape.jpg

So lang ein Tropfen Blut noch glüht
Noch eine Faust den Degen zieht
Und noch ein Arm die Büchse spannt
Betritt kein Feind hier deinen Strand

VG_850_8475_29-11-2020_on1_landscape.jpg

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein
Fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei ...

Mehr zum Niederwalddenkmal hier.
 
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Danach ging es zur Fähre und über den Rhein nach Bingen. Auf der Fähre musste ich feststellen, dass ich ein Objektiv zu Hause vergessen hatte... o_O

So blieb mir nur in Bingen ein bisschen das alte Elektrizitätswerk und Wilhelm den Ersten zu fotografieren.

Tag_2-6.jpg

Tag_2-7.jpg

Ich schätze mal, Volker hat ein paar gute Bilder von Ehrenfels "im Köcher"

Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Vom Rheinufer in Bingen geht der Blick zurück auf das Niederwald-Denkmal. Germania überragt das Rheintal

VG_850_8486_29-11-2020_on1_landscape.jpg

Nach vorne sieht man das "Binger Loch". Es ist eine Engstelle am südlichen Ende des Rhein-Durchbruchstales durch das Rheinische Schiefergebirge und stellte bis in die 60er Jahre des 20.Jahrhunderts ein bedeutendes Hindernis für die Schifffahrt im Oberen Mittelrheintal dar. Die Passage war nur mit Lotsen zu befahren. Links im Bild der Binger Mäuseturms und rechts die Burgruine Ehrenfels. So hat William Turner die Landschaft schon gesehen und in seinem Gemälde hier festgehalten.

VG_850_8521_29-11-2020_on1_landscape.jpg

Die Ruine Ehrenfels

VG_850_8523_29-11-2020_on1_landscape.jpg
 
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Dann ging es zur Burg Rheinstein, gleich um die Ecke. Die Burgendichte ist schon extrem hoch in der Gegend. Kaum gab es eine Burg, von der man nicht schon die nächste sah.

Die im 14. Jahrhundert errichtete Burg erreicht man steilem Aufstieg. Wer immer diese Burg angreifen wollte, musste erstmal da hoch steigen...

Tag_2-13.jpg

Die Burg an sich ist beeindruckend. Sie sieht sehr wehrhaft aus und hat trotzdem noch einige romantische Details. Leider konnten wir nicht hinein. Ihre Geschichte ist mehr als wechselhaft. Jetzt gehört sie wohl einem Opernsänger, der sie seit Jahren wieder herrichtet.

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Mir gefiel am besten ein Blick von der Seite.

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Auf dem Gelände wurde später auch eine Kapelle errichtet, in der der Prinz und die Prinzessin von Preußen begraben sind.

Tag_2-11.jpg

Ein sehr spannender Ort mit einer sehr langen Geschichte.

Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Der Blick auf Burg Rheinstein vom steilen Fußweg nach oben.

VG_850_8527_29-11-2020_on1_landscape.jpg


Da in der Burg die Innenräume sehr gut eingerichtet sind, war es schade, dass Corona bedingt geschlossen war. Hier ging es nicht weiter. Und wenn man keine Details innen fotografieren kann, sucht man sie sich außen.

VG_850_8540_29-11-2020_on1_landscape.jpg


Stahlseile sichern die Felsen am Hang.

VG_850_8577_29-11-2020_on1_landscape.jpg
 
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Danach ging es zum Günderodehaus. Ein Filmhaus, welches als Kulisse gebaut wurde und dann doch nach Drehende irgendwie die Zukunft erlebt hat. Mir sind nicht viele Bilder gelungen. Am besten gefällt mir ein Blick über die Weinberge auf das Rheintal.

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Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Mein erster Blick am Günderodehaus ging in die andere Richtung, rheinabwärts. Lockdown auf dem Rhein, kein Schiff weit und breit.

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Und dann mein Blick rheinaufwärts auf Oberwesel mit der Schönburg und Kaub mit der Pfalz mitten im Rhein.

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Karoline von Günderrode, nach der dieses Filmhaus der Serie "Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende" von Edgar Reitz benannt wurde, war übrigens eine deutsche Dichterin der Romantik. Sie lernte Clemens von Brentano kennen. Daraus ergaben sich intensive Kontakte zu einem von der Jenaer Frühromantik geprägten Freundeskreis. Die unglückliche Liebe zu dem Heidelberger Mythenforscher Friedrich Creuzer veranlasste sie zum Freitod am Rheinufer vor dem Garten des Brentano Hauses bei Oestrich-Winkel, in dem auch Goethe oft zu Gast war. Auf dem Friedhof in Oestrich-Winkel steht heute noch ihr Grabstein.
Mehr über sie hier.
 
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Weiter ging es dann zur Burg Rheinfels. 1245 erbaut hat sie eine durchaus wechselvolle Geschichte. War sie einst eine der größten Wehranlagen, so hatte sie doch ein ziemlich unrühmliches Ende nach der Flucht des Festungskommandanten in 1794. Teile wurden 1796-97 gesprengt. Leider blieben auch hier die Tore geschlossen.

Tag_2-14.jpg
Der Blick auf den Rhein ist wunderbar von dort oben. Hauptsächlich ging es wohl darum, von den vorbei fahrenden Schiffen Zoll einzutreiben.

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Wenn man durch die Schießscharten schaut, kann man noch ein wenig von der Größe und Wehrhaftigkeit der Anlage erkennen.


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Viele Grüße
Robert
 
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