Mein Bild - Eure Meinung Fesselnd

Pattebaer

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Das Bild ist letztes Jahr noch ohne Corona im Studio entstanden. Es war der Wunsch des Models. Ich bin auf eure Meinung dazu gespannt.

Lisa-04.jpg
 

newbie70

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Hmmm... dann wage ich mal den schweren ersten Schritt. Ich finde die Idee des Models gar nicht schlecht. Nun muss heutzutage Kritik immer so nett verpackt sein, deshalb quäle ich mich ein wenig. Ich schreibe jetzt mal einfach, was ich denke.

Es gibt noch Verbesserungspotential aus meiner Sicht. Die Beine könnten mehr angezogen sein (Sitz niedriger). Auf der echten Wade ist ein Querstrich, der mein Auge durcheinander bringt und die Verstellung des BHs ist mir zu auffällig (unterschiedliche Höhe) und könnte weg. Am besten jeglicher Stoff, der unterbricht das Bild. Rechts ist im Bild gefühlt mehr Platz als links. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu direkt und hilft Dir weiter.

Für mich (und jetzt kommt der subjektive Teil der Vorlieben) ist es zu direkt und zu hart. Aber das ist eine reine Stilfrage und eigenes Empfinden. Ich würde es ein wenig dunkler+subtiler machen und die Handschellen hervor heben. In etwa so:

Fessel.jpg

Mehr als Low-Key würde das Bild mir persönlich besser gefallen. Das ist aber, wie gesagt, eine rein persönliche Vorliebe.

Viele Grüße
Robert
 
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waldgott

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Roland,

Mir gefällt bei dem Foto die Lichtsetzung und Beleuchtung.

Die Geschichte, die das Bild erzählen soll, wird mir nicht auf Anhieb klar genug. Frau mit Handschellen - da wird ein Deutung schwierig. Sie sind für mich beides: Symbol der Unterdrückung und der Unterwerfung und stehen damit für eine asynchrone Beziehung. Will das Bild kritisieren oder animieren? Das kann ich nicht erkennen. Auf jeden Fall erschwert es für mich - der weder Unterwerfung noch Unterdrückung gut findet - den Zugang zum Bild. Fesselnd, wie der Titel vorgibt, empfinde ich das Bild nicht.

Am Motiv irritiert mich, dass ich bei dem Betrachten manchmal die Person von vorne aufgenommen sehe, der Kopf ist nach vorn geneigt, durch Haare das Gesicht verdeckt. Dann wieder sehe ich den Körper von hinten betrachtet, der Kopf nach hinten geneigt. Beim Nachdenken über diese Beobachtung erkenne ich das eine - der Kopf nach hinten geneigt - ist ein Symbol für die Unterwerfung und das andere - der Kopf nach vorne und unten geneigt - ein Symbol für Unterdrückung. Also bleibt auch so die Doppeldeutigkeit erhalten.

Bei der Bildkomposition hätte ich mehr auf die Symmetrie im Bild geachtet. Natürlich sind Körper nicht symmetrisch, aber bei der Anordnung im Raum und der Sitzposition wäre noch einiges bei der Aufnahme selbst zu optimieren. In der nachträglichen Bearbeitung ist da oft kaum mehr etwas zu korrigieren.

Lisa-04_linien.jpg

Die Person ist nicht exakt zentriert, auch der Schemel nicht. Das könnte man durch Beschneiden rechts korrigieren, aber dann kommt der rechte Fuß zu nahe an den Bildrand.

Ein Beschnitt wie dieser löst das Problem - das bei der Aufnahme schon vermeidbar gewesen wäre - aus meiner Sicht etwas besser aber nicht ganz:

05-12-_2020_12-36-29.jpg

Auch ist jetzt die Oberkante der Oberschenkel auf der Linie des Goldenen Schnittes und teilt die Bildflächen noch zusätzlich.

Für die Farbstimmung gefällt mir das Bild im "Rotlicht" besser

Lisa-04_on1_portrait.jpg

Die nicht symmetrischen Schnallen an den BH-Trägern hat Robert ja schon zu recht kritisiert. Sie fallen stark ins Auge und sind einfach zu entfernen. Die Frage allerdings stellt sich zusätzlich, ob ein solches Bild mit nacktem Oberkörper nicht wirklich besser wirkt.

Angeregt durch Roberts Schwarz-Weiß Bearbeitung stelle ich fest, dass auch mir eine solche Umwandlung besser gefällt, sie abstrahiert und bringt das Bild näher an Kunst. Für mich wird damit auch die Doppeldeutigkeit von Unterwerfung und Unterdrückung noch deutlicher.

Lisa-04v2_on1_portrait.jpg
 
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AnjaC

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Ich habe mir das Bild jetzt mehrmals, auch mit zeitlichem Abstand angesehen. Es bleibt beim ersten Eindruck und Gedanken: warum hat das Model diese Bildidee vorgeschlagen, was wollte sie besonders zeigen? Da kann ich nur spekulieren, aber ich denke, es geht unter anderem um die Herausstellung der Tattoos und um den Bildtitel "Fesselnd" - also wohlgemerkt NICHT "gefesselt", was die Handschellen ja nahe legen würden. Eben gerade dieser Widerspruch von Titel und Bild macht einen Reiz aus und strengt die Gehirnzellen angenehm an. Das gefällt mir schon mal sehr.

Was mir nicht gefällt, ist die Kopfhaltung mit der hochgestreckten Nase. Wenn ich mit meinem Bauchgefühl richtig liege, hätte es das für die Bildwirkung nicht gebraucht. Das ist mir zu viel des Guten, zu sehr hinweisend auf die gewünschte Interpretation. Überspitzt gesagt: da komme ich auch alleine drauf, da müsst ihr mich als Betrachter nicht (Achtung Wortspiel! ;) ) mit der Nase drauf stoßen - traut den Betrachtern mal was zu an eigenen Gedanken.

Die von meinen Vorschreibern angesprochene Asymmetrie bei den BH-Clips stört mich dagegen überhaupt nicht. Im Gegenteil unterstreicht das die Asymmetrie der Tattoos auf den Beinen und Armen. Das passt für mich absolut und ist definitiv keine Störung.

Was mir allerdings gleich beim ersten Betrachten als Störung in den Kopf kam:
Die Hände, auf die wegen der Handfesseln der Blick recht unmittelbar fällt, wirken in dem Licht irgendwie schmutzig. Das ist schade.
Die rechte Wade bis einschließlich Fuß hat eine andere Schattierung als der Rest des Beins (links auch, aber sehr viel subtiler, das könnte ich ignorieren). Mir als Frau fällt da gleich ein: da hat ein Kniestrumpf gesessen und Abdrücke hinterlassen. Warum? Weil ich das auch öfter so mache, wenn ich im Alltag Hosen trage oder lange Röcke/Kleider. Das ist nämlich sehr viel bequemer als eine Nylonstrumpfhose (sehr, sehr viel, das könnt ihr mir glauben :itd-3d-ani-w60-smiles-036: ) Normalerweise sieht das ja auch keiner, aber hier spielt es jedenfalls für mich dann schon eine Rolle.

Roland, Du hast technisch imho rausgeholt, was rauszuholen war, um die Idee des Models umzusetzen. Wie findest Du denn das Ergebnis?

Mir gefällt außerordentlich die Bearbeitung von Robert. Das ist ein hervorragendes Bild. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es die Umsetzung dessen ist, was das Model gerne abgebildet haben wollte. Vermutlich ist es ein ganz anderes Bild mit einer anderen Idee und einer anderen Geschichte, die erzählt wird. Ich würde halt wirklich gerne wissen, was das Model im Sinn hatte bei ihrem Vorschlag und ob sie und Du, Roland, mit der Umsetzung völlig zufrieden seid.
 
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Pattebaer

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Ich lese angeregt mit und werde mich auf jeden Fall äußern. Aber vielleicht kommen ja noch mehrere Meinungen.
 
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HaHa

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Es gibt Bilder, die durch den Inhalt und die Lichtführung von den Betrachtenden Entscheidungen verlangen. Zunächst: Will ich mich damit befassen oder nicht. Wenn ja, muss der Kontaktversuch durch den "Feuerofen" der Unterbrechungsmechanismen. Projektionen laufen immer, meistens automatisch und mit einer Bewertung verbunden. Eine Möglichkeit wäre auch die emotionale Abwehr (Deflektion) - mit subtilen geistigen Begründungen wie generalisieren oder rationalisieren. Und natürlich kann auch der große Koffer der abgespeicherten Ansprüche um Einstellungen, Sollen und Müssen (macht man , macht man nicht) geöffnet werden. Auch nicht ausgeschlossen wäre eine Verschmelzung (Konfluenz) mit einer angenommenen (aber nicht bekannten) Einstellung des Models. Damit ist mir genug aufgegeben. Da brauche ich keine Linienführungen, Symmetrie bzw. Asymmetrie. Da bleiben viele Details, zumindest solange meine Grundbeziehung zum Bild nicht gelöst ist, belanglos. Schwarz-Weiß kann da auch nur ein netter Ablenkungsversuch sein. Die Härte ist weg. Aber ist es deswegen schon Kunst? Vor allem: Wird deswegen mein Problem gelöst? Ich entscheide mich, bei dem Bild zu bleiben, das Roland fotografiert hat und das Model so angeboten hat. So bleibt mir eine, mit Handschellen versehene, Frau in aufreizend provozierender Pose im roten Licht. Und - dummerweise - bin ich urplötzlich am Anfang meiner Wahrnehmungsschleife angekommen. Jetzt flüchten wäre wirklich dumm. Da hätte ich mir die Gedankenarbeit ja gleich sparen können. Also entscheide ich mich für eine Deutung auf der Projektionsebene. Die ist, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht richtig. Aber es ist meine!
Alles zusammen genommen spricht das Bild zu mir in "Leidenschaft". Die hinzukommende Bewertung lautet: Leidenschaft muss nicht, kann aber auch Leiden schaffen.

Mit lieben Grüßen
Hans
 
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ernst.w

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Ich fürchte, das wird dir jetzt nicht gefallen, lieber Roland. Ich habe auch lange mitt mir gerungen, aber du hast gefragt...

Bei den meisten Bildern sprechen zuerst Farben und Formen zu mir, noch lange bevor ich nach einer Interpretation suche - die sich meist schon aus Farben und Formen erschließt. In dem Fall geht das bei mir voll in die Hose.
  • Das Bild, das bewusst streng und symmetrisch aufgebaut ist, entbehrt eben dieser Symmetrie. Ja, da kommt es auf Kleinigkeiten an. Und die Versteller des BHs ist in diesem Fall noch das geringste Übel. Ich weiß schon, ein solches Bild exakt auszurichten, ist sehr mühsam und aufwändig. Aber die Asymmetrie fängt bereits beim Stuhl an.
  • Mich persönlich stört die Kopfhaltung eher als sie dem Bild nützt.
  • Eine ganze Reihe von störenden Unzulänglichkeiten zerstören für mich das Bild leider völlig: Da sind mal die beiden Hautfalten ganz oben an den Oberschenkeln, die mir als erste ins Auge gestochen sind. Nicht weit darunter die beiden Streifen links und rechts, die wahrscheinlich von den Abschlüssen von Strümpfen stammen. Der Tattoorest am rechten Oberschenkel ist für mich eine Störung, die anderen Tattoos nicht. Die Schulter links im Bild weist Schatten auf, die ich gerne entweder rechts symmetrisch auch oder gar nicht hätte.
Nun ja, bitte sieh das als meine ganz persönliche Meinung, meinen ganz persönlichen Eindruck. Die Idee ist ganz nett, die Ausführung würde ich nochmal probieren.

Im übrigen gefällt mir die Bearbeitung von Robert sehr gut. Ist aber auch ein ganz anderes Bild, aber auch hier stören mich einige Falten, die ich oben angesprochen habe.
 
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ernst.w
ernst.w kommentierte
Das war keine abschätzige Bemerkung, sondern der Versuch einer (sachlichen) Beschreibung. Die Person eines Models oder dessen Vorzüge zu kritisieren, fiele mir nicht ein. Außerdem hat diese Störung wenig mit dem Model, sondern mit der Sitzhaltung zu tun.

Auch mit längerem Nachdenken fällt mir leider kein anderer Begriff ein. Bitte um ein besseres Wort, und ich korrigiere sofort. Ehrlich.

P.S.: Ich habe jetzt mal durch „Linien“ ersetzt. Besser?
 
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siggi65
siggi65 kommentierte
ernst.w
ernst.w kommentierte

Danke, ist schon korrigiert.
 

Pattebaer

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Ich bin noch eine kurze Erklärung schuldig:

Das Bild ist vor etwa 2 Jahren im Rahmen eines sogenannten "Model-Sharing" entstanden. Bei einem Model-Sharing teilen sich mehrere Fotografen ein Model. Jeder darf mal für ein paar Minuten bzw. für ein paar Bilder ein Outfit eines Models fotografieren. Man hat also begrenzt Zeit das Model in Pose zu bringen und dann die Bilder anzufertigen.

Das Model wollte unbedingt ein Bild mit den Handschellen und der Unterwäsche, denn es war ein Geschenk ihrer Lebensgefährtin.

Das Bild habe ich hier zur Diskussion gestellt, weil es nicht perfekt ist. Viele angesprochene Punkte kannte ich selber, einige kannte ich aber nicht. Das hilft mir aber unbedingt weiter, denn bei solch einem Shooting muss man als Fotograf auf so viele Dinge achten bevor man auf den Auslöser drückt. Da gehen einige Dinge unter. Vor allem wenn man wie ich damals ziemlich am Anfang der Modelfotografie stand. Man ist in der Situation froh wenn man seine Technik, die Blitzsteuerung im Griff hat, so dass man sich nur noch bedingt um's Model und damit um den Bildaufbau kümmert. Das ist nicht gut aber gerade am Anfang unvermeidlich.

Ich kann aber beruhigen, dass das Bild so nie an Lisa raus gegangen ist. Das Bild was ich damals weiter gegeben habe ist das folgende Bild. Eines aus den 10 Bildern, die ich angefertigt habe.

PS: und wer meint, man könne keine Brathähnchen fotografieren soll mal bei Helmut Newton bzw. der Vogue vorbei schauen.

Lisa-05A.jpg
 
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